Leckerbissen im Dezember: Beethovens Pastorale & Ha! compagnons

Seit mehr als 25 Jahren visualisiert der Musiker und Fotograf Tobias Melle in seinen "Sinfonien in Bildern" symphonische Musik. Anlässlich von Beethovens 250. Geburtstag widmete er sich Beethovens sechster Sinfonie von 1808, der Pastorale. "Ha! compagnons" hingegen versetzt den Zuhörer in eine Zeit zurück, in der die Stimme und die Laute die wahren Begleiter auf der Suche nach poetischem und musikalischem Ausdruck waren. Die kanadische Sopranistin Elodie Bouchard und der amerikanische Lautenist Anthony Harvey bieten lebendige und farbenfrohe Interpretationen von Air de Cour, Ayres und Monodien des 17. Jahrhunderts.

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Ha! compagnons führt den Zuhörer in die entscheidende Zeit zwischen Renaissance und Barock ein, in der sich die Komponisten im Wunsch nach Klarheit der gesungenen Texte einig waren. Singing and lute became the most important instrumentation, whose intimate character was ideally suited to the demands of the courts of Europe. In Frankreich und England manifestiert sich diese Symbiose in den Air de cour und Ayres, wohingegen in Italien die begleitete Monodie das nationale Klangbild prägte, die dann wenig später zur Entwicklung der ersten Opern geführt hat. Die Stücke auf dem Album teilen das zeitlose Thema der Liebe in all ihren verschiedenen Schattierungen, abgerundet durch das ultimative Trinklied, das dem Projekt seinen Titel verleiht.

„Für uns veranschaulicht Ha! compagnons nicht nur die historische Kameradschaft von Stimme und Laute, sondern auch den kollaborativen Aspekt vieler Weggefährten, die diese Veröffentlichung möglich gemacht haben“ – Elodie Bouchard

Mit großer Leidenschaft für alte Musik zeichnet sich Elodie Bouchard besonders durch ihre musikalische Expressivität und den Farbenreichtum ihrer Stimme aus. Sie tritt regelmäßig mit dem Barockensemble Les Méandres und dem Ensemble Scholastica auf. Elodie eröffnete 2018 das Montréal Bach Festival und sang in der Folge 2019 beim Young Performers Festival of Early Music America, woraufhin eine rege Konzerttätigkeit begann. Seit 2018 arbeitet sie mit dem außergewöhnlichen Lautenisten und Continuospieler Anthony Harvey zusammen, der sowohl als Solist als auch als Begleiter mit vielen der führenden Ensembles Nordamerikas wie dem National Philharmonic und dem Washington Bach Consort auftritt. Gemeinsam ist es die Mission des Duos, Musik für Gesang und Laute weiter in den Vordergrund der globalen Musikszene zu rücken. In jeder ihrer Aufführungen überzeugen die jungen Künstler durch ihre fundierte Expertise in historischer Aufführungspraxis gepaart mit ihrer äußerst anregenden musikalischen Intuition.

Die Satzbezeichnungen erzählen eine kleine Geschichte. Es beginnt mit dem Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande. Es geht nicht um die Landschaft, es geht um das „Heitere“, die fröhlichen und positiven Gefühle, die der Besucher angesichts einer friedlichen, unberührten Natur empfindet. Der zweite Satz ist eine Szene am Bach, und obwohl wir das Murmeln des Wassers und den Gesang der Vögel hören, will die Musik nicht illustrieren, sondern uns die Lebendigkeit der Natur spüren lassen – abwechselnd fließend und innehaltend. Erst der dritte Satz, Lustiges Zusammensein der Landleute, ist plakativer. hier wird unter anderem eine Dorfkapelle karikiert und der Mensch auf dem Land wohlwollend und ironisch gezeichnet. Im vierten Satz bricht Donner. Sturm herein. Die Musik ist, für die damalige Zeit, ein auskomponiertes Chaos. Das ist auch die dahinterliegende Stimmung: Verunsicherung und Angst im Angesicht der wütenden Kräfte der Natur. Im letzten Satz halt der Hirtengesang. Frohe und dankbare Gefühle nach dem Sturm. In der idyllischen Vorstellung der frühen Romantik stehen Hirten für eine ländliche Harmonie von Mensch, Tier und Natur. Und Dankbarkeit ist hier die gefühlte Demut, den unberechenbaren Urkräften heil entkommen zu sein.

Vor zweihundert Jahren war die “Teilung der Rollen“ zwischen Mensch und Natur klar. Der Mensch kann die Schönheiten genießen und die Früchte ernten, doch all seinem Streben sind Grenzen gesetzt, die Naturkräfte sind unberechenbar und grenzenlos. Ausgehend von dieser Prämisse transponiert Tobias Melle mit seinen Fotografien Beethovens Begegnung mit der Natur in die Gegenwart. Leider wiegen wir uns in der falschen Sicherheit, die Welt zu beherrschen. Zuallererst zerstören wir nicht die „Schöpfung“ und nicht die „Natur“, sondern nichts anderes als unsere eigene Lebensgrundlage. Und am Ende, wenn wir nicht einlenken, zerstören wir uns selbst.

Die Schönheit der Natur wird fortbestehen. Um den Fortbestand von uns Menschen müssen wir uns selber kümmern.

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In dem untenstehenden Trailer erhalten Sie einen kleinen Einblick in Tobias Melle’s Darstellung von Beethovens Pastorale.

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