
In einer Zeit, in der die Welt auf Abstand ging und das gemeinsame Erleben von Musik nahezu zum Stillstand kam, entschied sich die niederländische Band HAEVN für einen außergewöhnlichen Schritt. Mit dem Konzertfilm Up Close schufen sie ein cineastisches Werk, das weit über den Rahmen eines klassischen Live-Mitschnitts hinausreicht. Es wurde zu einem Moment der Verbundenheit – zwischen den Musikern, dem Filmteam und einem weltweiten Publikum, das plötzlich auf digitale Begegnungen angewiesen war.
Zu diesem Zeitpunkt konnte HAEVN bereits auf mehr als 250 Millionen Streams und ein Platin-veredeltes Debütalbum zurückblicken. Die Band, bekannt für ihre atmosphärischen Klangwelten irgendwo zwischen Indie-Pop, Cinematic Sound und orchestraler Tiefe, stand vor derselben Herausforderung wie unzählige Künstler weltweit: Kein Publikum. Kein Tourbus. Kein gemeinsamer Herzschlag im Saal. Und gerade deshalb entschieden sie sich dafür, diesen Moment zu einer Chance zu machen – zu einem künstlerischen Dokument, das die emotionale Kraft von Musik in den Mittelpunkt stellt.
Ein besonderer Ort für besondere Zeiten
Up Close wurde im historischen Theater De Vereeniging in Nijmegen aufgenommen – einem Haus, dessen Architektur und Akustik seit jeher als Bühne für große Emotionen dienen. Unter der Regie von Robin Piree und mit Kameramann Kevin Kimman entstand dort ein Film, der bewusst die Intimität und Zerbrechlichkeit dieser Zeit einfängt. Die Musiker traten nicht wie üblich auf einer erhöhten Bühne auf, sondern positionierten sich mitten im Saal. Dieser ungewöhnliche Ansatz ermöglichte eine beweglichere und unmittelbare Kameraführung, die dem Zuschauer das Gefühl gibt, sich frei zwischen den Musikern zu bewegen.
Begleitet wurden HAEVN von einem 9-köpfigen Streichensemble sowie dem G-Roots Gospel Chor. Gemeinsam erzeugten sie einen Klangraum, in dem jedes Detail – ein Atemzug, ein Finger auf einer Saite, ein zarter Hall im Raum – spürbar wurde. Die Arrangements verstärkten das Kernthema des Films: Verbindung. Gerade in einer Zeit, in der menschliche Nähe streng reglementiert war, wurde dieses Konzert zu einem Ausdruck von gemeinsamer Hoffnung und künstlerischer Resilienz.
Musik als Dialog – auch ohne Applaus
Die Band – Marijn van der Meer (Gesang, Gitarre), Jorrit Kleijnen (Klavier, Keyboards), Bram Doreleijers (Gitarre), Mart Jeninga (Bass) und David Broeders (Schlagzeug) – wählte die Songs für Up Close mit größter Sorgfalt aus. Im Zentrum standen Stücke, die emotional weit öffnen, Raum schaffen und gleichzeitig in ihrer Botschaft zeitlos sind.
Durch die strengen Pandemieauflagen blieb kaum Zeit für Proben – und es gab keinen Applaus, keinen Zwischenruf, kein unmittelbares Feedback des Publikums. Doch gerade dieser Umstand verwandelte das Konzert in eine fast meditative Begegnung. Die Stille zwischen den Songs wurde nicht zu einem Mangel, sondern zu einem Raum, in dem die Musik nachklingen durfte. Ein Raum, in dem sich HAEVN vollkommen auf ihr Zusammenspiel konzentrieren konnte, ohne Erwartungsdruck, ohne Ablenkung.
So entstand ein musikalischer Dialog, in dem sich die Musiker gegenseitig trugen, in dem jeder Ton bewusst gesetzt und jede Emotion ungefiltert erlebbar wurde. „Up Close“ ist nicht einfach ein Konzert ohne Publikum – es ist ein Konzert, das das Fehlen des Publikums zum Teil seiner Geschichte macht.
Ein cineastisches Erlebnis der Verbundenheit
Die Kameraarbeit ist zentraler Bestandteil des Films. Unterschiedliche Perspektiven – nah, intensiv, fast körperlich – ermöglichen es dem Zuschauer, Details zu sehen, die sonst verborgen bleiben: die Anspannung eines Fingers, das Zusammenspiel eines Bläser- oder Streicherarrangements, den Moment, in dem eine Stimme bricht oder ein Lächeln zwischen Musikern entsteht. Diese Nähe verleiht dem Konzertfilm eine emotionale Dichte, die im klassischen Konzertsaal so kaum möglich gewesen wäre.
Up Close zeigt die Kraft von Musik in Krisenzeiten: Als Trost. Als Zuflucht. Als Verbindungspunkt, selbst wenn physische Nähe unmöglich ist. Der Film wurde zu einem global zugänglichen Erlebnis und damit zu einem Zeichen von Dankbarkeit – nicht nur für die Fans, sondern auch für die Band selbst, die sich in einem Moment der Unsicherheit neu definierte.
Dolby Atmos – die finale Veredelung
Die neu entstandene Dolby-Atmos-Mischung hebt das Werk auf ein völlig neues Level. Die immersive Klangwelt macht den Titel Up Close zu einer akustischen Realität. Der Zuhörer befindet sich nicht vor, sondern mitten in der Musik: umgeben von Streicherteppichen, eingebettet in die warmen Chorklänge, getragen von den oft filmischen Melodiebögen der Band.
Dieser Raumklang ist nicht Effekthascherei, sondern eine bewusste Einladung zur Nähe. Ein Eintauchen in eine Klangwelt, die berührt, umhüllt und manchmal sogar den Eindruck erweckt, selbst im Saal zu sitzen – inmitten von Musikern, die ihre Kunst in einem Moment tiefer Verletzlichkeit zu teilen wagen.
Ein Film, der bleibt
Up Close ist in seinem Kern ein Dokument des Zusammenhalts. Es zeigt, wie Kunst Brücken baut, wenn die Welt auseinanderzudriften droht. Es ist ein Werk, das dank seiner intimen Inszenierung und emotionalen Ehrlichkeit weit über die Pandemie hinaus Bedeutung trägt.
Der Film ist eine Einladung – an alle, die Musik nicht nur hören, sondern fühlen wollen. Eine Einladung, sich gemeinsam mit HAEVN an jene schwierigen, aber auch verbindenden Momente zu erinnern, in denen Musik vielleicht wichtiger war als je zuvor.
HAEVN - UP CLOSE
Blu-ray Video im Digipak. Inkl. 24-seitigem Booklet
- 2.0 STEREO 24BIT / 48KHZ
- 5.1 DTS-HD MA 24BIT / 28KHZ
- DOLBY ATMOS
- BINAURAL HEADPHONE MIX



















